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Aktuelles

Die TeilnehmerInnen der Podiumsdiskussion

v. l.: Prälat Karl-Heinz Zerrle, Prof. Dr. Doris Rosenkranz, Dr. Hilmar Sturm, Dr. Elfriede Schießleder, Dr. Andreas Frank

1.12.11
Aktuelles, Pressemitteilung:

Werden Kümmerer bald Mangelware? - Zum Thema Ehrenamt

München. 01.12.2011. "Selbstlos für das Gemeinwohl arbeiten - was soll daran altmodisch sein?" Elfriede Schießleder, Landesvorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbundes, will das traditionelle Ehrenamt nicht als überholt
abgestempelt wissen. "Nur wer sich in einem Verband engagiert, hat auch die Möglichkeit, sich politisch einzumischen und gesellschaftliche Prozesse aktiv mitzugestalten. Dafür braucht es einen langen Atem und demokratische Strukturen, wie sie der Frauenbund seit hundert Jahren hat."

Laut Schießleder dürfe deshalb das traditionelle Ehrenamt der Kirchen und Wohlfahrtsverbände vom Staat nicht weniger gefördert werden als Freiwilligenarbeit, die von Agenturen vermittelt werde. Auf einer Podiumsdiskussion zum Tag des Ehrenamts am 5. Dezember, die der Frauenbund am Mittwoch im Münchner Presseclub veranstaltete, loteten Fachleute aus Wissenschaft, Verwaltung und Politik die Zukunft der Ehrenamtspolitik aus.

"Wir brauchen Kümmerer, die sich längerfristig verpflichten", erklärte der Münchner Verbändeforscher Hilmar Sturm. "Denn was hat ein chronisch Kranker davon, wenn sich jemand nur zwei Wochen lang um ihn kümmert?" Ein Engagement innerhalb verlässlicher Strukturen sei auch in Zukunft gefragt.

Die Soziologin Doris Rosenkranz von der Hochschule Würzburg-Schweinfurt sieht angesichts der demografischen Entwicklung ab etwa 2016 große Nachwuchsprobleme auf die Vereine zukommen. Schon heute, so die Hochschulprofessorin, hätte jeder zweite der mehr als 550.000 Vereine in Deutschland Schwierigkeiten bei der Besetzung von Vorstandsposten. Die Vereine müssten sich mit ihren Zielen so attraktiv wie möglich darstellen, um Mitglieder und Führungskräfte zu gewinnen.

Für Landes-Caritasdirektor Karl-Heinz Zerrle steht die Wertschätzung der Ehrenamtlichen im Zentrum der Engagementpolitik. Die Verbände müssten vermitteln: "Wer sich engagiert und im Ehrenamt fortbildet, bekommt etwas Wertvolles zurück." Und Referatsleiter Andreas Frank vom Bayerischen Sozialministerium erklärte, die Politik seines Ministeriums ziele darauf ab, eine breite Öffentlichkeit für den Wert bürgerschaftlichen Engagements zu sensibilisieren. Der vom Frauenbund initiierte "Ehrenamtsnachweis Bayern" stelle schon heute eine Visitenkarte für ehrenamtlich Engagierte dar, so Frank.  

Der Bayerische Landesverband des Katholischen Deutschen Frauenbundes hat 190.000 Mitglieder und ist damit der größte Frauenverband Bayerns. Tausende seiner Mitglieder sind ehrenamtlich engagiert, die Einsatzgebiete reichen von Besuchsdiensten bis zur Trauerbegleitung. Auch alle Führungsaufgaben des Verbandes, von der Zweigvereinsebene bis zur Verbandsspitze, werden ehrenamtlich geleistet.

Redaktion: Eva-Maria Gras

Pressemitteilung des Bundesverbandes des KDFB zum Internationalen Tag des Ehrenamtes