
v. l. Andrea Konopka, Hilde Bortlik, Waltraud Schreyer, Josef Ziller, Susanne Veit, Elfriede Schießleder, Martina Böhm-Brandt, Heiner Keupp
München, 18.11.2011. Jede Familie hat mal Sorgen. Aber daraus sollen möglichst keine ernsten Krisen werden. Dieses Ziel hatsich das Netzwerk Familienpaten Bayern gesetzt. Es schult ehrenamtliche Familienpaten und -patinnen. Mittlerweile stehen 60 PatInnen an 15 Standorten in Bayern bereit. Sie entlasten Eltern im Alltag, stärken sie in ihren Erziehungskompetenzen und vermitteln sie bei Bedarf an professionelle Helfer weiter.
Wie kann sich das 2009 gestartete Modellprojekt in der sozialen Landschaft Bayerns nachhaltig verorten? Diese Frage lotete jetzt ein Fachtag in Ismaning aus. "Gute Familienpolitik heißt, die Grenzen der Familien zu erkennen und danach zu handeln", sagte Josef Ziller, Leitender Ministerialrat am bayerischen Sozialministerium. In Bayern stehe eine große Vielfalt an Hilfen für Familien bereit, doch müsse die Vernetzung der multidisziplinär angelegten Angebote vorangetrieben werden. "Das ist die Aufgabe, die uns in den nächsten Jahren am meisten beschäftigen wird", erklärte Ziller vor den mehr als hundert TeilnehmerInnen der Tagung.
"Familienpaten übernehmen eine wichtige Lotsenfunktion", erklärte das Projektleiterinnen-Team des Netzwerks. "Dank ihrer Nähe zur Familie finden die Paten heraus, welche individuelle Stärkung und Hilfe notwendig ist und können vorbeugend wirken."
Der Münchner Sozialpsychologe Heiner Keupp äußerte in seinem Fachvortrag die Hoffnung, dass sich das innovative Projekt nach der Evaluierungsphase dauerhaft in Bayern etabliere. "Früher hatte man eine Familie. Heute ist das nicht mehr selbstverständlich", sagte der pensionierte Universitätsprofessor. Familie sei heute ein freiwilliges Projekt, ein aktiver Herstellungsprozess, der nicht überall gelinge.
Im Netzwerk Familienpaten Bayern haben sich vier Verbände zusammengeschlossen, die langjährige Erfahrung in der niederschwelligen Unterstützung und Bildung von Familien haben: der Bayerische Landesverband des Katholischen Deutschen Frauenbundes, der Deutsche Kinderschutzbund Landesverband Bayern, der Landesverband Mütter- und Familienzentren in Bayern und das Zentrum Aktiver Bürger in Nürnberg. Die Verbände sind flächendeckend mit ihren Standorten in Bayern vertreten und erreichen unterschiedliche Zielgruppen. Sie haben ein einheitliches Familienpatensystem installiert, in dem Paten nach transparenten Standards qualifiziert und geschult werden. Während ihrer Einsätze in den Familien, die einige Wochen bis mehrere Monate dauern können, werden die ehrenamtlichen Paten vom Netzwerk professionell begleitet. Das Modellprojekt wird vom bayerischen Sozialministerium finanziert und von der Robert Bosch Stiftung gefördert.
Mehr unter www.familienpaten-bayern.de
Redaktion: Eva-Maria Gras