
Ch. Haderthauer (Mitte) übergibt die ersten Zertifikate an Familienpatinnen; 1. v. l.: S. Höfer; 2. v. l.: E. Schießleder; Foto: Eva Gras
München, 19.05.2011 Sabine Höfer, frisch ausgebildete Familienpatin aus Weiden, ist eine der ersten Frauen, die in München von Bayerns Familienministerin Christine Haderthauer ihr Zertifikat erhalten hat und sich damit Familienpatin nennen kann. Nach der Erfahrung der vier im Netzwerk Familienpaten Bayern beteiligten Verbände gibt es das klassische Modell Eltern-Kind(er)-Familie zwar noch, aber das Zusammenleben von Familien hat sich sehr geändert. Familienpatinnen und Familienpaten begleiten Familien in schwierigen Situationen, stabilisieren in kritischen Erziehungssituationen, unterstützen den Aufbau von Alltagskompetenzen und sind Ansprechpartner und Zuhörer, die Kraft und Energie für die Bewältigung der Herkulesaufgabe Familienmanagement geben.
Das Netzwerk Familienpaten Bayern hat das Projekt mit finanzieller Unterstützung des bayerischen Sozialministeriums und der Robert-Bosch-Stiftung entwickelt und beschreibt als Ziel: Familienpaten setzen mit Unterstützung und Begleitung an, bevor aus kleinen Problemen Krisen werden. Die Familienpaten gehen in die Familien, arbeiten ehrenamtlich, aber geschult und werden von Fachkräften des Netzwerk Familienpaten Bayern begleitet.
13 Standorte für Familienpaten in Bayern
Nun beginnt die Umsetzungsphase: Die geschulten Paten gehen in die Familien. Bisher gibt es an 13 Orten in Bayern Standorte für Familienpaten, aber aufgrund der großen Nachfrage sind weitere Schulungen für neue Standorte angefragt und gewünscht.
Sabine Höfer sieht bei Familien einen großen Bedarf an Begleitung und Unterstützung, vor allem bei Alleinerziehenden. "Die sind durch die Doppelbelastung der Erziehung der Kinder und der Berufstätigkeit oft überfordert, aber stehen alleine da." Die verheiratete zweifache Mutter ist selbst früh in den Beruf zurückgekehrt und kennt diese Belastung aus eigener Erfahrung. Sie freut sich auf ihre neue Aufgabe und die unterschiedlichen Familien, denen sie begegnen wird und, dass sie mithelfen und etwas beitragen kann zum Gelingen von Familie.
Kein Ersatz für sozialpädagogische Familienhilfe
Die Familienpaten sehen sich nicht als Alternative zu oder Ersatz von sozialpädagogischer Familienhilfe. Hier zieht das Projekt eine eindeutige Grenze. Familienpaten agieren nie ohne die fachliche Rückkoppelung mit ihrem Verband und vermitteln nur in Absprache mit den Familien je nach Bedarf andere Hilfsangebote. Sie sind also auch Lotsen im manchmal unübersichtlichen Hilfesystem.
Alle vier im Netzwerk befindlichen Verbände haben langjährige Erfahrungen im Bereich der niederschwelligen Familienunterstützung und Familienbildung. Der Bayerische Landesverband des Katholischen Deutschen Frauenbundes, der Deutsche Kinderschutzbund Landesverband Bayern, der Landesverband Mütter- und Familienzentren in Bayern und das Zentrum Aktiver Bürger aus Nürnberg haben ein einheitliches Familienpatensystem installiert, in dem nach transparenten Standards qualifiziert und geschult wird.
Diese Verbände sind flächendeckend mit ihren Standorten in Bayern vertreten, fest in den Sozialstrukturen vor Ort eingebunden, erste Anlaufstellen für Familien und pflegen gute Kooperationen zu anderen Einrichtungen und den Jugendämtern. Gerade weil sie ganz unterschiedliche Zielgruppen erreichen, können viele Synergieeffekte realisiert werden.
Familienpaten arbeiten ehrenamtlich
In drei der 13 Standorte in Bayern stehen bereits Familienpaten zur Verfügung, die eine hochwertige Schulung absolviert haben und fachliche Begleitung erhalten. Die Familienpaten arbeiten ehrenamtlich und bekommen lediglich eine Erstattung ihrer Auslagen. Weitere Informationen finden Interessierte unter: www.familienpaten-bayern.de.
Redaktion: Ulrike Müller-Münch