München. 16.02.2011. Familienland Nummer 1 werden - Will die Staatsregierung diese Ziel wirklich erreichen? Daran zweifelt der Bayerische Landesverband des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB). Die Vorsitzende des größten Frauenverbandes in Bayern, Elfriede Schießleder, sagt: "Wir würden uns sehr freuen, wenn aus Sonntagsreden, Regierungserklärungen und Internet-Aktionen der Landesregierung tatsächlich innovative Maßnahmen werden würden. Bisher sehen wir neben Verbesserungen, die die Bundesgesetzgebung erzwingen, nur beschönigende Darstellungen und Kürzungen. Es geht herzlich wenig voran."
In seiner Regierungserklärung vom Januar legte Ministerpräsident Horst Seehofer einen Schwerpunkt auf die Familienpolitik und betonte, dass er die familienbezogenen Leistungen steigern, die Kinderbetreuung ausbauen und das Landeserziehungsgeld beibehalten wolle. "Das Landeserziehungsgeld gibt es in Bayern zwar noch, aber es ist vor einigen Jahren erheblich gekürzt worden. Wo verbergen sich da die angekündigten originären und innovativen Elemente?" fragt Schießleder. Beim Ausbau der Kinderbetreuung würden die vom Bund vorgeschriebenen Schritte vollzogen. Die eigene Selbstverpflichtung aus dem Koalitionsvertrag von 2008, ein beitragsfreies Kindergartenjahr einzuführen, ist noch immer nicht eingelöst.
Der Katholische Frauenbund fordert weiter:
Die Sprachförderung im Kindergarten darf nicht gekürzt werden. Immer noch können auf Grund fehlender Sprachkompetenzen nicht alle Schüler eingeschult werden.
Die Öffnungszeiten der Mittagsbetreuung haben sich an vielen Orten verdoppelt. Die Zuschüsse für Personalschulungen dagegen werden seit über 10 Jahren nicht erhöht.
Der sogenannte "doppelte Abiturjahrgang" verlässt bald die Schulen. Das darf keinesfalls zum Abbau von Lehrerstellen führen. Vielmehr sieht der Frauenbund darin eine Chance, dass nicht mehr so viele Stunden ausfallen, kleinere Klassen gebildet und die Kinder während der Schulzeit wesentlich besser gefördert werden können.
Auf Alltagskompetenzen sollte an den bayerischen Schulen viel stärker als bisher eingegangen werden. Bereits im jugendlichen Alter kann so Ernährungsmängeln und sozialen Schieflagen wie Überschuldung und Erziehungsunfähigkeit vorgebeugt werden.
Die Staatsregierung könnte Zeichen setzen, wenn sie Lehrstellen im öffentlichen Dienst aufstocken würde. Die Planbarkeit für Familien ließe sich erhöhen, wenn aus vielen zeitlich begrenzten Projektarbeitsstellen verlässliche Arbeitsverhältnisse gemacht würden.
Der Bayerische Landesverband des Katholischen Deutschen Frauenbundes hat in Bayern 190.000 Mitglieder. In diesem Jahr feiert er sein 100. Gründungsjubiläum. Immer standen beim KDFB die Interessen von Frauen und Familien im Zentrum. Frauenbund-Gruppen gibt es in drei von vier Gemeinden Bayerns.
Redaktion: Ulrike Müller-Münch