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125 Jahre Bahnhofsmission München

München, 20.04.2022

Die Bahnhofsmission München feiert am 29. April 2022 ihr 125-jähriges Bestehen. Gegründet wurde sie von Ellen Ammann.

Ende des 19. Jahrhunderts kommen in München viele stadtunkundige Landmädchen mit häufig naiven Vorstellungen am Hauptbahnhof an. Oft werden sie schon am Bahnsteig von organisierten Händlerringen abgefangen und als rechtlose Arbeitskräfte in Fabriken oder als Prostituierte ins In- und Ausland verkauft.

Ellen Ammann erkennt damals sehr schnell, dass die vorbeugende Sozialarbeit am Ankunftsort Bahnhof einsetzen muss. Deshalb gründet sie in Zusammenarbeit mit dem evangelischen Verein der „Freundinnen junger Mädchen“ 1897 in München die erste katholische Bahnhofsmission in Deutschland. Ab April 1897 gibt es direkt vor Ort einen „Empfangsdienst“. Die Zielgruppe ist zu Beginn nur weiblich. Das ändert sich im Laufe der Zeit.

Der Anfang ist bescheiden: Ein Stuhl und ein kleiner Tisch mit abschließbarer Schublade in einer Ecke des südlichen Wartesaals am Gleis 11 am Münchner Hauptbahnhof. Ellen Ammann und ihre Mitarbeiterinnen warten die Ankunft der Züge ab und sprechen die jungen Frauen und Mädchen vor den Schleppern an. Sie informieren sie über geeignete Arbeitsstellen und Unterkünfte und stehen ihnen auch bei anderen Problemen mit Rat und Tat zur Seite. Der Dienst in der Bahnhofsmission ist für die ehrenamtlich tätigen Frauen nicht einfach. Es ist kein Wohlfühlehrenamt, sondern erfordert Belastbarkeit und Durchsetzungsvermögen.

Bahnhofsmission München heute

Die Aufgaben der Bahnhofsmission haben sich im Laufe der letzten 125 Jahre geändert und sind sehr vielfältig geworden. Die Bahnhofsmission ist die niedrigschwelligste soziale Einrichtung in München. Sie ist rund um die Uhr an allen Tagen des Jahres geöffnet. Täglich suchen durchschnittlich 300 Menschen die Einrichtung auf, und es finden ohne Voranmeldung 85 Beratungsgespräche statt. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt in konkreter Notfallhilfe, Beratung und Vermittlung. Nachts ist die Bahnhofsmission Schutzraum für Frauen und deren Kinder. Vor Ort arbeiten 25 Hauptamtliche und 140 Ehrenamtliche. Finanziert wird die Bahnhofsmission überwiegend von der Stadt München. Hinzu kommen Mittel der kirchlichen Träger sowie Spenden.

KDFB Landesverband Bayern unterstützt Bahnhofsmission

Während der Corona-Pandemie verzeichnete die Bahnhofsmission München stark steigende Besucher*innenzahlen. Die Bahnhofsmission hatte während der Lockdowns nicht geschlossen, sondern die Türen weit geöffnet für die Gäste, die dieses Angebot sehr dankbar und zahlreich annahmen. Der KDFB Landesverband Bayern unterstützte die Bahnhofsmission München im Frühjahr 2020 mit einer großzügigen Maskenspende.

Seit Ausbruch des Ukraine-Krieges ist die Bahnhofsmission die erste Anlauf- und Kontaktstelle für die Geflüchteten aus der Ukraine, darunter viele Frauen und Kinder. Allein im Zeitraum von Ende Februar 2022 bis 20. April 2022 kamen fast 3.400 Ukrainer*innen zur Münchner Bahnhofsmission, zusätzlich zu den weiteren 18.000 Hilfesuchenden im gleichen Zeitraum. Die Geflüchteten erhielten dort Lebensmittelpakete, Babynahrung, Kleidung und Schutzmasken. Außerdem wurden Beratungsgespräche angeboten. Die Mitarbeitenden in der Bahnhofsmission versuchen rund um die Uhr zu helfen, so gut sie können – wenn möglich mit ukrainisch oder russisch sprechenden Mitarbeiter*innen, die übersetzen oder auch in der Landessprache mit den Menschen reden und ihnen vor allem zuhören. Im Rahmen der Aktion „Frauen.Frieden.Hoffnungslicht.“ bittet der Landesverband um Spenden für die Bahnhofsmission.

Wer sich näher über die Arbeit der Bahnhofsmission München informieren möchte, hat beim Ellen-Ammann-Geburtstagsfest am 2. Juli 2022 bei einer Führung die Gelegenheit, die Räumlichkeiten der Münchner Bahnhofsmission zu besichtigen.

Jubiläumsgottesdienst "125 Jahre Bahnhofsmission"

Die Bahnhofsmission München feierte am 29. April 2022 ihr 125-jähriges Bestehen mit einem Gottesdienst in der Abtei St. Bonifaz. Zu Gast bei den Feierlichkeiten war auch KDFB-Landesvorsitzende Emilia Müller.

Erzbischof Marx ging in seiner Predigt intensiv auf die Verdienste von Ellen Ammann ein, die Gründerin der Bahnhofsmission. Sie habe ihren Lebensweg „österlich“ beschritten und dabei der Armut und dem Elend ins Auge gesehen, aber dies alles mit der Hoffnung der Auferstehung. Deshalb spreche sich die Erzdiözese München und Freising für einen Seligsprechungsprozess für Ellen Ammann aus.

Der Katholische Deutsche Frauenbund Landesverband Bayern ist mit 150.000 Mitgliedern der größte Frauenverband des Freistaats. Gegründet 1911 von Ellen Ammann, setzt er sich für Gleichberechtigung und Chancengleichheit von Frauen in Kirche, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft ein.
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