KDFB

100 Jahre Frauenwahlrecht

Ellen Ammann schaffte 1919 den Sprung in den bayerischen Landtag; Foto: Archiv KDFB Landesverband Bayern

Am 12. Januar 1919 durften Frauen in Bayern zum ersten Mal wählen und gewählt werden. Ellen Ammann, die Gründerin des KDFB Landesverband Bayern, zog nach der Wahl als eine von sieben Frauen in den Bayerischen Landtag ein. Der Frauenanteil betrug damals 5,7 Prozent.

Für sie und ihre sieben Mitstreiterinnen ist der parlamentarische Alltag absolutes Neuland. Trotzdem schaffen die ersten Parlamentarierinnen es, Spuren zu hinterlassen und sich in einer bislang reinen Männerbastion zu behaupten. Gerade von Ellen Ammann gehen als Abgeordnete der Bayerischen Volkspartei wichtige Impulse aus. Obwohl sie das Frauenwahlrecht nie öffentlich gefordert hat, stürzt sie sich 1919 mit Überzeugung und Elan in die Politik. In ihrer parlamentarischen Arbeit ist sie vor allem für die Ressorts Gesundheitswesen, Familienfürsorge, Jugendfürsorge, Öffentliche Fürsorge und Wohlfahrtspflege zuständig.

Diese Themen entsprechen ihrem bisherigen Wirkungs- und Erfahrungsbereich. Ellen Ammann war 1895 an der Gründung des Marianischen Mädchenschutzvereins (heute IN VIA) beteiligt; 1897 gründet sie am Münchner Hauptbahnhof die erste katholische Bahnhofsmission Deutschlands. 1904 initiiert sie die Gründung eines Zweigvereins des Katholischen Deutschen Frauenbundes in München und übernimmt dessen Vorsitz. Im Dezember 1911 wird sie Vorsitzende des KDFB Landesverband Bayern. Darüber hinaus ruft sie 1909 die „sozial-caritative Frauenschule“ ins Leben, eine Vorläufereinrichtung der heutigen Katholischen Stiftungshochschule München.

An diesen Stationen zeigt sich, dass Ellen Ammann nicht als „unbeschriebenes“ Blatt in den Landtag einzieht. Durch ihr vielfältiges Engagement in verschiedenen Organisationen bringt sie beste Voraussetzungen für die Parlamentsarbeit mit. Außerdem kann sie sich auf ein dichtes Frauennetzwerk verlassen, das sie während der Arbeit im Landtag kontinuierlich mit Rat und Tat unterstützt.

Ellen Ammann denkt auch als Landtagsabgeordnete äußerst zielbewusst und arbeitet unbeirrbar an der Realisierung ihrer Ziele. Als Mitglied des Verfassungsausschusses wirkt sie entscheidend an der Neugestaltung der bayerischen Verfassung mit. Am 21. Juni 1919 ergreift die gebürtige Schwedin im Bayerischen Landtag zum ersten Mal das Wort.

Ihre Arbeit als Abgeordnete fällt in eine politisch und wirtschaftlich äußerst turbulente Zeit: neue Revolutionswellen, Kapp- und Hitlerputsch, Inflation, Arbeitslosigkeit, Weltwirtschaftskrise, häufige Wahlen und Kabinettsumbildungen, das Anwachsen des Nationalsozialismus. Trotz ihrer anstrengenden und zeitintensiven politischen Tätigkeit bleibt Ellen Ammann Vorsitzende des KDFB Landesverband Bayern und Vorsitzende des Münchner Zweigvereins des Katholischen Deutschen Frauenbundes.

Neben Ellen Ammann zieht auch KDFB-Frau Therese Schmitt aus Ludwigshafen bei der Landtagswahl am 12. Januar 1919 ins bayerische Parlament ein. Therese Schmitt war die Vorsitzende des pfälzischen Kreisausschusses des KDFB.

Text: Gerlinde Wosgien