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KDFB Landesverband erinnert an erste "Frauenwahl" 1919 in Bayern

KDFB-Landesvorsitzende Emilia Müller zieht den Hut vor all den Frauen, die vor 100 Jahren Vorreiterinnen für die parlamentarische Demokratie in Bayern waren; sie zollt auch den Frauen großen Respekt, die für die Einführung des Frauenwahlrechts gekämpft haben, sowie denjenigen, die sich zur Wahl stellten und nicht zuletzt denjenigen, die ihr Wahlrecht aktiv wahrgenommen haben. Foto: KDFB, Angelika Bardehle

München, 11.01.2019 – „Der 12. Januar 1919 ist ein wichtiger historischer Meilenstein für die Frauenbewegung in Bayern. An diesem Tag konnten Frauen in Bayern erstmals wählen und gewählt werden“, so Emilia Müller, die Vorsitzende des KDFB Landesverband Bayern anlässlich des Jahrestages der ersten demokratischen Landtagswahl in Bayern. „Dieses Recht scheint uns heute selbstverständlich. Doch die Frauen mussten damals viele Widerstände und Hürden überwinden. Dem zollen wir als größter Frauenverband Bayerns außerordentlichen Respekt“.

Bayern war das erste Bundesland, in dem nach dem Ende des Ersten Weltkriegs im November 1918 das Frauenwahlrecht eingeführt wurde. Die Zeit bis zur ersten demokratischen Wahl am 12. Januar 1919 haben insbesondere Frauenbund-Frauen intensiv genutzt. Sie informierten Frauen bayernweit und in allen Bevölkerungsgruppen über das aktive und passive Wahlrecht. „Die damalige Auffassung, dass politisches Engagement und die Mitgestaltung unserer Gesellschaft nicht nur Recht, sondern geradezu Frauenpflicht sind, lebt im Frauenbund bis heute fort“, betont KDFB-Vorsitzende Emilia Müller.

Dabei sei nicht zu vergessen, dass allein das Recht noch keine politische Teilhabe schaffe, sondern aktives Engagement erfordere: „Diese Herausforderung haben die Frauen 1919 in Bayern angenommen. Die Wahlbeteiligung der Frauen lag bei knapp 88 Prozent. Dass viele Frauen ihr Recht trotz erheblicher Widerstände in Anspruch genommen haben, verdient große Hochachtung“, findet Emilia Müller.

Gleiches gelte für die Leistung des KDFB in der politischen Bildungsarbeit: „Allein von Anfang Dezember 1918 bis zur Wahl wurden in Bayern und der Pfalz 72 neue Zweigvereine mit etwa 10.000 neuen Mitgliedern gegründet. Das zeigt, welch hohe Organisations- und Wirkungskraft der Frauenbund schon damals besaß,“ so die heutige Vorsitzende.

Wesentlichen Anteil an diesem Erfolg trage die Gründerin und damalige Vorsitzende des KDFB in Bayern, Ellen Ammann. „Sie zog nach den ersten Wahlen im Januar als eine von nur sieben Frauen in den Bayerischen Landtag ein und war bis 1932 als einzige weibliche Abgeordnete durchgehend Mitglied des Landtags“, würdigt Müller ihre Vorgängerin.

Dass sich der Frauenanteil im Bayerischen Landtag von knapp sechs Prozent in den vergangenen hundert Jahren nur auf knapp 27 Prozent erhöht hat, sieht die KDFB-Vorsitzende als Ansporn: „ Ein Ziel des Frauenbundes in Bayern ist und bleibt es, den Frauenanteil im Parlament zu erhöhen. Es darf nicht weitere 100 Jahre dauern, bis endlich eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in der Politik erreicht ist. Daher bleibt unser Appell an die Frauen: Frauen! Macht! Politik!“

Mit der Aktion "Wir ziehen den Hut!" würdigt der KDFB bundesweit die Frauen, die bereits vor 100 Jahren gegen viele Widerstände und Vorurteile Politik aktiv mitgestaltet haben. Nähere Informationen und Möglichkeiten zum Mitmachen unter www.wir-ziehen-den-hut.de.

Seit seiner Gründung 1911 setzt sich der KDFB Landesverband Bayern für eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in Politik, Kirche und Gesellschaft ein. Mit 165.000 Mitgliedern ist der Frauenbund der größte Frauenverband in Bayern.

Redaktion: Alexandra Schiel