KDFB

Digitalisierung im Gesundheitswesen

Das Organisationsteam der Tagung in der Akademie für politische Bildung; vorne v.l.n.re.: Helga Weinberger, Inge Gehlert, Elke Beck-Flachsenberg; hinten von links nach rechts: Lieselotte Feller, Katharina Geiger, Sabine Slawik, Anneliese Röhrl; Foto: Edith Werner

München/Tutzing, 21.11.2019 - Der Katholische Deutsche Frauenbund Landesverband Bayern (KDFB) und die Evangelischen Frauen in Bayern (EFB) sehen eine dringende Notwendigkeit für ein Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) II. In diesem Gesetz müsse festgeschrieben werden, dass Patientendaten ausreichend anonymisiert werden, eine Verschlüsselung bei der Übertragung sichergestellt werde und jede Person ein Recht auf Einspruch habe. Diese Position haben die beiden großen konfessionellen Frauenverbände Bayerns nach einem Seminar an der Akademie für Politische Bildung in Tutzing entwickelt, das der Frage nachging, wie Digitalisierung unser Gesundheitswesen beeinflusst.

Sabine Slawik, stellvertretende Vorsitzende des KDFB in Bayern, und Elke Beck-Flachsenberg, Vorsitzende der EFB, haben festgestellt: „Als christliche Frauenverbände sehen wir Probleme beim jetzt beschlossenen Digitale-Versorgung-Gesetz.“ Dieses stelle einen ersten Schritt in die richtige Richtung dar, da künftig eine Regulierung stattfinde und Daten für Forschung zur Verfügung stünden. Eine große Schwachstelle im Gesetz aber haben die Verbände bei der Weitergabe der Daten erkannt. Sie seien ungenügend geschützt.

Dass die Digitalisierung auch im Gesundheitswesen Einzug halten werde, sei Fakt. Aber nach Ansicht des KDFB und der EFB müssten stets ethische Aspekte die Grundlage für Gesetze sein. „Wir wollen den Fortschritt begleiten und gestalten – als Nutzerin, Patientin, Beschäftigte, betreuende und pflegende Angehörige“, so Lieselotte Feller, die für den KDFB das Seminar organisierte.

Gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen wurden Aspekte erarbeitet, die dazu beitragen könnten, dass die digitale Transformation im Gesundheitswesen effizient und sinnvoll erfolge: Sie muss aus der Fachlichkeit der Pflegenden heraus entwickelt werden. Der Nutzen für alle Betroffene muss im Mittelpunkt stehen. Die Digitalisierung darf nicht zu einem Abbau der Fachkräfte in den Gesundheitsberufen führen. Beim Veränderungsprozess sind die unterschiedlichsten Lebenssituationen von Menschen zu berücksichtigen. „Die Politik ist hier besonders gefordert, die Interessen der Betroffenen zu schützen und eine Dominanz des technisch Machbaren zu verhindern“, betont Jörg Siegmund von der Akademie für Politische Bildung.

Der KDFB und die EFB wollen in ihrer Bildungs- und Lobbyarbeit an der Thematik dran bleiben. Ihre Ziele dabei sind: ein sensibler und sicherer Umgang mit Daten und das Festhalten am Prinzip der Solidargemeinschaft. Patienten und ihr Verhalten müssten in den Mittelpunkt gestellt werden. Dabei dürfe aber nicht übersehen werden, dass Menschen - als Patienten ebenso wie als Pflegende oder Ärztinnen und Ärzte - zu verantwortlichem Handeln aufgerufen seien. Dazu müssten sie aber auch befähigt werden.

Im Laufe des Seminars wurde auch die Notwendigkeit eines digitalen Bildungsmanagements mit dem Ziel des aufgeklärten Patienten deutlich: Nur so könne die Digitalkompetenz erreicht werden, die bei der persönlichen Prävention beispielsweise im Umgang mit Gesundheits-Apps und der medizinischen und pflegerischen Betreuung notwendig sei.

Redaktion: Ulrike Müller-Münch (auch Rückfragen)