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Schluss mit der Geheimniskrämerei um die Löhne

Schluss mit der Geheimniskrämerei um die Löhne
20.03.2018
München, 15.03.2018. – Auch im Jahr 2018 liegt der Gender Pay Gap über der 20 Prozent-Marke: „Verstaubte Rollenbilder und gläserne Decken, an die vor allem Frauen bei ihrer Karriere stoßen, müssen endlich in die Mottenkiste und aus dem Alltag verschwinden,“ findet die Vorsitzende des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB) Landesverband Bayern Elfriede Schießleder. Intransparenz und veraltete Strukturen trügen dazu bei, dass Veränderungen nur im Schneckentempo vorankommen. Deshalb fordert der Katholische Frauenbund mehr Tatkraft bei der Beseitigung der Lohnlücke. Unter welchen Rahmenbedingungen das Motto „Transparenz gewinnt“ zur Realität werden kann, war am 14. März Thema beim Diskussionsabend des KDFB zum Equal Pay Day in München. Carsten Wippermann, Soziologieprofessor an der Katholischen Stiftungshochschule München, zeigte in seinem Vortrag: Wenn man Bruttomonatslohn und Lebenserwerbseinkommen in den Blick nimmt an Stelle von Bruttostundenlohn, dann läge der symbolische Tag, von dem an Männer und Frauen gleich verdienen, nicht im März, sondern er fiele im Jahr 2018 sogar auf den 23. Juni. In der Summe kämen Frauen während ihres Erwerbslebens so auf fast 50 Prozent weniger Erwerbseinkommen als Männer. „Und hier ist insbesondere Intransparenz ein Faktor, der Entgeltungleichheit befördert“, veranschaulichte Wippermann. Diese Ansicht spiegelten auch aktuelle Befragungen. Darin gehe ein Großteil der Befragten davon aus, dass mehr Transparenz zur Beseitigung der Lohnlücke betragen könne. Typisch weibliche Berufe benötigen mehr Anerkennung Bayerns Sozialministerin Emilia Müller betonte: „Die Gründe für den hohen Gender Pay Gap sind vielfältig und nicht neu: Frauen fehlen zum Beispiel noch häufig auf den höheren Stufen der Karriereleiter, und sie fehlen in Branchen, die höhere Löhne bezahlen. Auch der Wiedereinstieg nach der Familienpause erfolgt oftmals unterhalb der Qualifikation und mit erschwerten Aufstiegschancen. Selbst ohne diese strukturellen Ursachen beträgt die bereinigte Lohnlücke in Deutschland noch etwa sechs Prozent. Transparenz bei der Bezahlung ist ein Baustein, um dem entgegenzutreten. Genauso wichtig ist aber, dass wir die strukturellen Ursachen der Entgeltgleichheit angehen. Deshalb müssen auch typisch weibliche Berufe, wie zum Beispiel im Erziehungs- und Pflegebereich, mehr finanzielle Wertschätzung erhalten.“  Transparenz ist kein Allheilmittel  Dass Transparenz allein kein Allheilmittel mit Blick auf Lohngerechtigkeit ist, wurde in der Diskussionsrunde deutlich. Für Schießleder wird im Lauf der jahrelangen Diskussion um Lohn- und Rentenlücke immer deutlicher: „Mehr Transparenz, faire Entgeltstrukturen und vor allem die Aufwertung sozialer Berufe in finanzieller Hinsicht sind unbedingt erforderlich.“ Die Vertreterin des Deutschen Frauenrates, Lisi Maier, sieht Verbesserungsbedarf beim 2017 in Kraft getretenen Entgelttransparenzgesetz: „Um Entgeltdiskriminierung zu beseitigen, halten wir eine stärkere Verpflichtung der Unternehmen wie auch ein Klagerecht für Verbände für erforderlich“. Elfriede Kerschl von der IHK für München und Oberbayern dagegen plädierte für Konzepte mit Augenmaß, die mittelständische Unternehmen nicht über Gebühr belasteten: „Aus Praxissicht wird das Entgelttransparenzgesetz nicht dazu führen, in Sachen Lohngleichheit spürbar voranzukommen, da es nicht an den eigentlichen Ursachen der Entgeltungleichheit ansetzt“, so Kerschl. Diese Ursachen noch stärker in den Blick zu nehmen, ist auch der KDFB-Vorsitzenden Schießleder wichtig: „Solange Männer-Gehälter höher ausfallen als die der Frauen und Führungsaufgaben in der Vollzeit-Domäne angesiedelt bleiben, werden Frauen zu oft weiter auf die Rolle der Zuverdienerin reduziert – auf Kosten ihrer Alterssicherung! Mit Lohn- und Leistungsgerechtigkeit hat das nichts zu tun.“ Redaktion: Ulrike Müller-Münch Vortrag von Prof. Dr. Carsten Wippermann "Entgeltgleichheit? Wo wir heute stehen" Weitere Informationen zu den Aktivitäten des KDFB in Bayern zum Equal Pay Day 2018 Link zum Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit Link zur Themenseite "Frauen und Männer am Arbeitsmarkt" der Bundesagentur für Arbeit
Der Katholische Deutsche Frauenbund Landesverband Bayern ist mit 150.000 Mitgliedern der größte Frauenverband des Freistaats. Gegründet 1911 von Ellen Ammann, setzt er sich für Gleichberechtigung und Chancengleichheit von Frauen in Kirche, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft ein.
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