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Gabriele Wachter: Arbeitsplätze für Jugendliche mit Behinderung

Mittendrin statt außen vor: Die gelernte Bankkauffrau Gabriele Wachter schafft in drei Cafés Arbeitsplätze für Jugendliche mit Behinderung. 

Bestellungen aufnehmen, in der Küche mithelfen, bedienen und – wer es sich zutraut – auch kassieren: Mittendrin statt außen vor sind die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die in einem der drei Cafés des Vereins „MitArbeiten Landshut“ eine Stelle gefunden haben. Ein Team von Ehrenamtlichen und fest angestellten AnleiterInnen unterstützt sie dabei, selbstbewusst am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben und für ihren eigenen Lebensunterhalt zu sorgen.

Berührungsängste werden abgebaut

„Wer in eines unserer Cafés in der Landshuter Innenstadt kommt, ahnt meist nicht, dass er in einem integrativen Betrieb gelandet ist, sondern schneit zufällig herein. Wenn er es dann in der Speisekarte liest, sind Berührungsängste häufig schon kein Thema mehr, weil man schon nett miteinander gesprochen hat und einen sehr professionellen Eindruck von unserer Arbeit hat“, ist die Erfahrung von Gabriele Wachter. 

Den eigenen Platz finden 

Als für ihre Tochter Christina die Schulzeit zu Ende ging, zerbrach sie sich den Kopf, wie es weitergehen könnte. Die junge Frau, die wegen ihrer Lernbehinderung ein Förderzentrum besucht hatte, wäre in einer beschützenden Werkstätte nicht am richtigen Platz gewesen. Und auf dem ersten Arbeitsmarkt gab es einfach keine Stelle für sie. Also beschloss Gabriele Wachter gemeinsam mit zwei anderen Müttern selbst Arbeitsplätze zu schaffen. „Ich hatte als langjährige Vorsitzende im Elternbeirat des Förderzentrums schnell gemerkt, wie die Mütter unter der Ausgrenzung ihrer Kinder litten. Ich habe versucht, durch gemeinsame Aktionen wie Basare und Gruppentreffen Berührungsängste abzubauen und zu zeigen, wie handwerklich fit die Kinder sind“, sagt Gabriele Wachter, die für die Arbeit im Verein ihre berufliche Tätigkeit aufgab.

Balance zwischen Selbstständigkeit und Unterstützung

Die neun jungen Erwachsenen und die beiden langzeitarbeitslosen Frauen , die in den Cafés Arbeit gefunden haben, sind so selbstständig wie möglich tätig, bekommen aber die Unterstützung, die sie brauchen. „Besonders stolz sind wir darauf, dass wir schon drei Mädchen in den ersten Arbeitsmarkt vermitteln konnten“, sagt Gabriele Wachter. Fast täglich ist sie in den Cafés zur Stelle und hilft mit, wo es gerade nötig ist. „Ich bin mir sicher, dass das meine Lebensaufgabe ist, diesen jungen Menschen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.“

Text: Claudia Klement-Rückel

Bericht auf focus.de zur Verleihung des Ellen-Amman-Preises an Gabriele Wachter

 

 

Gabriele Wachter; Foto: privat