KDFB

Hildgeard Stolper: Ein Haus für geschlagene Frauen

Das Passauer Frauenhaus war marode und viel zu klein. KDFB-Frau Hildegard Stolper, Jahrgang 1944, hat für ein neues Haus unermüdlich Spenden gesammelt. Im August 2017 wird umgezogen.

„Die meisten Frauen, die zu uns kommen, wurden geschlagen. Sie sind traumatisiert, ebenso wie ihre Kinder“, schildert Hildegard Stolper die Situation der Betroffenen, für die sie sich seit 17 Jahren einsetzt. Seit zwölf Jahren ist sie Vorsitzende des Vereins, der mit dem Passauer Frauenhaus eine Zuflucht für Frauen bietet. Hildegard Stolpers langjähriges Engagement hat einen tiefen Grund. In ihrem nahen Umfeld hat sie erlebt, wie gründlich eine Ehe scheitern kann. Damals gab sie sich das Versprechen: „Wenn ich es beruflich und zeitlich schaffen kann, dann helfe ich anderen Frauen.“

Bau eines neuen Frauenhauses in Passau

Seit dem Jahr 2000 engagiert sich Hildegard Stolper im Frauenhaus, das bisher ein altes gemietetes Reihenhaus mit Platz für fünf Frauen, ihre Kinder sowie zwei Notplätze bot. Allerdings gab es nur eine Nasszelle, was jeden Morgen zu Chaos führte. „Da habe ich mich entschlossen, ein neues Frauenhaus zu bauen“, sagt Hildegard Stolper. Schnell fand sie heraus, dass sie von staatlicher Seite kein Geld bekommen würde. „Das Schwierigste war aber, den Bauplatz zu finden“, erläutert sie. 

Helfen trotz vieler Widerstände 

Nach dreijähriger vergeblicher Suche stieß sie auf ein brachliegendes Stück Land. Das Grundstück hatte die Diözese Passau mit der Auflage geerbt, es für einen sozialen Zweck einzusetzen. Sie konnte die zuständigen Stellen von ihrem Vorhaben überzeugen, und der Verein erhielt den Grund auf Basis des Erbbaurechts. Zusätzlich erließ der neue Passauer Bischof Oster den Erbbauzins und spendete 250.000 Euro in den Topf für die Kosten des Neubaus.

Spendenaktionen für Frauenhaus

Letztlich gefüllt haben diesen Topf Hildegard Stolper und ihre ehrenamtlichen MitarbeiterInnen mit einer unendlich langen Reihe von Spendenaktionen. Darunter Bilderversteigerungen, Flohmärkte, Tortenverkäufe, Benefizkonzerte, das Betreiben eines Karussells auf dem Christkindlmarkt, ein Auftritt in der Benefizgala „Sternstunden“ und zahllose Vorträge. „Ich halte Vorträge beim Frauenbund und vielen anderen Vereinen in ganz Niederbayern“, erläutert sie. „Manchmal bin ich viermal in der Woche unterwegs, doch so bekommen wir Spenden, und es wird bekannt, wozu ein Frauenhaus dient.“ Das neue Passauer Frauenhaus hat zehn Plätze, zwei Notplätze und genügend Waschräume.  

Text: Anne Granda

Bericht auf Focus online zur Verleihung des Ellen-Ammann-Preises an Hildegard Stolper

 

Hildegard Stolper; Foto: privat