KDFB

Kerstin Weger: Kunst überwindet jede Mauer

Die Kunsterzieherin Kerstin Weger setzt sich für inhaftierte Mädchen und Frauen ein und trägt damit zum Abbau von Vorurteilen bei. Außerdem gibt diese Kunst den inhaftierten Mädchen und Frauen viel Kraft und neue Hoffnung in ihrem Gefängnisalltag.

Ein Kellerraum – eng, muffig und mit Neonlicht beleuchtet – ist der bevorzugte Ort vieler inhaftierter Mädchen und Frauen in der Justizvollzugsanstalt Aichach. Denn hier, im Kunstraum, können sie für kurze Zeit den Gefängnisalltag vergessen. Bei lockerer Stimmung wird gemalt, gezeichnet, geklebt und geformt. „Hier werden die Mädchen und Frauen so angenommen, wie sie sind. Das gibt ihnen Würde und Wertschätzung. Sie können neue Seiten an sich entdecken und sind oft selbst erstaunt, welche Talente in ihnen schlummern. Auch die Besucher unserer Ausstellungen außerhalb der Gefängnismauern sind vom Niveau und Tiefgang der Kunstwerke begeistert“, freut sich ihre Kunsterzieherin Kerstin Weger. 

Kunst, die neue Seiten entdecken lässt

Wöchentlich bietet die 49-jährige Lehrerin im Frauengefängnis fünf Kunstgruppen, Workshops, eine Schreibwerkstatt und eine Musikgruppe an, unterstützt von Kunsttherapeutinnen und KünstlerInnen. Kunst, die hinter Mauern entsteht und in der Außenwelt gezeigt wird. Kunst, die inhaftierten Mädchen und Frauen zwischen 14 und 70 Jahren Hoffnung und Kraft gibt.

Abbau von Vorurteilen gegenüber inhaftierten Frauen

Für dieses künstlerische Engagement, das Grenzen überwindet, erhält Kerstin Weger den Ellen-Ammann-Preis des KDFB. Diese Anerkennung bedeutet der verheirateten Mutter von zwei Töchtern sehr viel: „Es berührt mich, dass diese wichtige Arbeit gewürdigt wird. Indem wir die Kunstwerke der Öffentlichkeit zeigen, können wir auch helfen, Vorurteile gegenüber den inhaftierten Frauen abzubauen.“ Seit 2007 ist die gelernte Schnittdirektrice Fachlehrerin für Kunst und Hauswirtschaft in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Aichach. 2012 wurde für Kerstin Weger zu einem besonderen Jahr in der JVA: Das Frauengefängnis erhielt das Angebot, die Fenster des jährlichen Adventskalenders am Aichacher Rathaus zu gestalten. „Ein Riesenerfolg! Die Resonanz der Bevölkerung war enorm und es gab Anfragen für Spenden und Kooperationsangebote. Gleichzeitig wurde die Nachfrage nach Kunstkursen durch die inhaftierten Frauen immer größer“, erinnert sich Kerstin Weger.

Mitbegründerin des Vereins frauenHAFT

2013 gründete Kerstin Weger gemeinsam mit anderen MitarbeiterInnen der Justizvollzugsanstalt Aichach den Verein „frauenHAFT“ zur Förderung kultureller, freizeitgestaltender und therapeutischer Angebote in Haft. Wer sich für die Kunst aus dem Frauengefängnis interessiert, kann die aktuelle Ausstellung der JVA-Kunstgruppen im Aichacher Amtsgericht zu den Öffnungszeiten besuchen.

Text: Karin Schott

Medienbericht in der Augsburger Allgemeinen Zeitung zur Verleihung des Ellen-Ammann-Preises an Kerstin Weger

 

Kerstin Weger; Foto: privat