KDFB

Antrag auf Seligsprechung von Ellen Ammann

Den 150. Geburtstag von Ellen Ammann am 1. Juli 2020 hat KDFB-Landesvorsitzende Emilia Müller zum Anlass genommen, um im Namen aller von Ellen Ammann gegründeten Organisationen Erzbischof Kardinal Marx um die Einleitung des Seligsprechungs-Verfahrens zu ersuchen. 

Ellen Ammann hat das kirchliche und gesellschaftspolitische Leben im ersten Drittel des letzten Jahrhunderts in Bayern nachhaltig geprägt. Sie hat nicht nur den Münchner Zweigverein des Katholischen Deutschen Frauenbundes gegründet, sondern sie initiierte auch den KDFB Landesverband Bayern als Zusammenschluss aller bayerischen und pfälzischen Zweigvereine. Mit über 160.000 Mitgliedern ist der Katholische Deutsche Frauenbund bis heute eine große Stütze des katholischen Lebens in Bayern.

Daneben wurden von Ellen Ammann folgende Einrichtungen ins Leben gerufen: Katholische Bahnhofsmission München, Marianischer Mädchenschutzverein - heute IN VIA München e.V und IN VIA Bayern e.V., Katholische Stiftungshochschule München, Säkularinstitut Ancillae Sanctae Ecclesiae, Katholische Polizeiseelsorge Bayern.

All diese Organisationen unterstützen das Anliegen des KDFB Landesverband Bayern, einen Seligsprechungsprozess für Ellen Ammann anzustoßen.

Zu Lebzeiten war Ellen Ammann für viele Frauen ein großes Vorbild. Und auch heute noch ist sie für engagierte Katholikinnen ein leuchtendes Beispiel christlichen Handelns. Die von ihr ins Leben gerufene Sozial-caritative Frauenschule, eine Vorläufereinrichtung der heutigen Katholischen Stiftungshochschule München, trug den Leitspruch „Caritas Christi urget me“. Dieser Spruch hat Ellen Ammann in all ihrem Handeln begleitet. Ihre tiefe Religiosität und die damit verbundene christliche Nächstenliebe waren bestimmend für ihr Denken und Tun. 

Lebenslauf von Ellen Ammann

  • Ellen Ammann wurde am 1. Juli 1870 in Stockholm geboren und protestantisch getauft. Ihre Mutter konvertiert 1881 heimlich zum Katholizismus und erzieht ihre Tochter im katholischen Glauben. Ellen Ammann besucht die katholische Schule École francaise, die sie mit dem Abitur abschließt. Sie überlegt früh, ins Kloster zu gehen, beugt sich dann aber ihrem Vater und studiert in Stockholm die berühmte schwedische Heilgymnastik.
  • 1890 heiratet sie den Orthopäden Dr. Ottmar Ammann und zieht mit ihm nach München. Als Ehefrau übernimmt sie die Hauswirtschaft und Verwaltung der Klinik ihres Mannes. Zwischen 1892 und 1903 schenkt sie fünf Söhnen und einer Tochter das Leben. Trotz ihrer familiären Verpflichtungen engagiert sie sich bereits in ihren Münchner Anfangsjahren stark im sozial-caritativen Sektor und findet Beheimatung im gelebten katholischen Glauben.
  • 1895 ist Ellen Ammann wesentlich an der Gründung des „Marianischen Mädchenschutzvereins“ (heute IN VIA – Katholischer Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit) beteiligt. Dieser kümmert sich mit Zufluchtsheimen und Lehrkursen um junge Mädchen, die vom Land in die Stadt ziehen, um dort eine Arbeitsstelle zu finden. 
  • Ellen Ammann erkennt früh, dass die vorbeugende Sozialarbeit bereits am Ankunftsort Bahnhof einsetzen muss. Ihr Ziel ist dabei vor allem die Bewahrung von jungen Mädchen vom Land vor den Gefahren der Großstadt: Ausbeutung, Prostitution und Mädchenhandel. Die Zielgruppe ist in den Anfängen der Bahnhofsmission ausschließlich weiblich. Ab 1912 bildet Ellen Ammann Schutzfrauen für die Bahnhofsmission aus. Unterstützt wird sie dabei von Pater Rupert Mayer, der als Seelsorger speziell für Zuwanderer zuständig ist.
  • Neben Berlin und Hamburg ist München um die Jahrhundertwende ein Zentrum der bürgerlichen Frauenbewegung. 1903 wird in Köln der Katholische Deutsche Frauenbund gegründet. Ellen Ammann initiiert 1904 den Münchner Zweigverein des KDFB. An der Gründungsversammlung nahm auch Romano Guardini teil; der anschließend Fördermitglied im Münchner Zweigverein wurde. 
  • Ellen Ammann ist der festen Überzeugung, dass katholische Frauen sich verbünden und solidarisch für ihre Rechte und Interessen eintreten müssen. In einem Aufruf „An die katholischen Frauen und Jungfrauen Münchens“ schreibt sie am 17. Oktober 1904: „Nur wer die Zeichen der Zeit gar nicht versteht, wer die Zusammenhänge der wirtschaftlichen und sozialen Bewegung unserer Zeit gar nicht kennt, kann die Notwendigkeit einer katholischen Frauenorganisation leugnen.“ In den Anfangsjahren bemüht sich der Katholische Frauenbund vor allem um die Verbesserung der Berufssituation von Heimarbeiterinnen, Dienstbotinnen und Kellnerinnen, denn diese drei Berufsgruppen zählen zu den Verliererinnen der industriellen Revolution.
  • Von Beginn an ist Frauenbildung ein Herzensanliegen von Ellen Ammann. 1909 beginnt sie mit einer „sozial-caritativen Frauenschulung“, aus der 1916 die „social-caritative Frauenschule“ erwächst. Es geht dabei darum, den Frauen und Mädchen, „die in christlichem Geiste an der Lösung der sozialen Frage mitzuwirken geneigt sind, eine systematische planmäßige Ausbildung anzubieten“. Frauen und Mädchen sollten für die Übernahme sozialer und caritativer Aufgaben professionell ausgebildet werden. Ab 1916 liegt die Trägerschaft für diese Schulungen beim KDFB Landesverband Bayern. 1964 zieht die „Ellen-Ammann-Schule“ in die Münchner Preysingstraße um. Seit 1971 ist sie in die Katholische Stiftungsfachhochschule (seit 2017 Katholische Stiftungshochschule) integriert. 2020 wird dort im Gedenken an Ellen Ammann ein neues Gebäude – das Ellen-Ammann-Seminarhaus – eröffnet.
  • Ellen Ammann ist eine tief religiöse Frau und überzeugte Katholikin. Sie betont, dass es nicht genüge, sich gelegentlich als Katholikin zu betätigen. Deshalb sucht sie eine Möglichkeit, Familienleben und geistliches Leben zu verbinden und findet diese im „Dritten Orden“. Heimlich und gegen den Willen ihres Mannes beginnt sie das Drittordensnoviziat. Die Drittordensgemeinschaft ist der Spiritualität des Heiligen Franziskus verpflichtet. Einfachheit, Demut und Liebe sind die Grundtugenden, die auch für Ellen Ammann äußerst wichtig sind. Stark beeindruckt von Kardinal Michael von Faulhaber und seinen Ideen vom „Diakonat der Frau“ wünscht sich Ellen Ammann, mit anderen Frauen in verbindlicher gemeinschaftlicher Form den diakonischen Auftrag in der Kirche zu leben. Am 10. Oktober 1919 legen die Frauen in Faulhabers Hauskapelle ihr Gelübde ab. Faulhaber gibt der Gemeinschaft den Namen „Vereinigung Katholischer Diakoninnen (VD)“. Ellen Ammann nennt sich innerhalb dieser Gemeinschaft Birgitta nach der schwedischen Nationalheiligen. Ab 1921 übernimmt Pater Cölestin Schwaighofer die geistliche Betreuung. 1952 wird die Gemeinschaft in Rom als Säkularinstitut anerkannt und erhält den Namen „Ancillae Sanctae Ecclesiae“ (ASE) - Dienerinnen der Heiligen Kirche.
  • Ellen Ammann ist auch eine politische denkende Frau. Nach Einführung des Frauenwahlrechtes im November 1918 wird sie im Januar 1919 als eine von acht Frauen in den Bayerischen Landtag gewählt. Fast 14 Jahre lang widmet sich Ellen Ammann der Landespolitik. Sie ist eine christliche Politikerin, ihre politischen Leitideen sind sehr stark von ihren Glaubensgrundsätzen geprägt. Als Landtagsabgeordnete widmet sie sich vor allem den Bereichen Jugendfürsorge, Gesundheitswesen, öffentliche Fürsorge und Wohlfahrtspflege.
  • Als Landtagsabgeordnete setzt sich Ellen Ammann dafür ein, dass in Bayern eine hauptamtliche Polizeiseelsorge zur Unterstützung für Polizeibeamte in Krisensituationen eingerichtet wird. Die Polizeiseelsorge Bayern feierte im Januar 2020 ihr 100-jähriges Bestehen.
  • Ellen Ammann warnt früh und eindringlich vor der Gefahr, die von der NSDAP und ihrem Gedankengut ausgeht. Im November 1923 ist Ellen Ammann maßgeblich an der Niederschlagung des Hitlerputsches beteiligt. Sie erfährt zufällig von dem Plan Hitlers und fühlt sich als Landtagsabgeordnete dazu verpflichtet, sofort Widerstand zu mobilisieren. In die Geschichtsbücher fand ihr Engagement lange Zeit keinen Eingang. Erst in den letzten Jahren veränderte sich der Blickwinkel. Zum 90. Jahrestag des Hitler-Putsches im November 2013 erinnerten einige Medien an Ellen Ammanns Mut und ihren engagierten Einsatz. In der Dauerausstellung des 2015 in München eröffneten NS-Dokumentationszentrums wird Ellen Ammann im Kontext des Hitlerputsches mit einer Biografie vorgestellt.
  • Am 22. November 1932 hält die sechsfache Mutter eine Landtagsrede zu Hilfsmaßnahmen für kinderreiche Familien. Sie fordert darin Hilfen bei der Wohnungssuche, eine Bevorzugung bei der Arbeitsplatzvergabe, Schulgeldermäßigung usw. Ihre Rede endet mit: „Möge die kinderreiche Familie im Volksbewusstsein wieder zu Ehren kommen.“ Das sind die letzten dokumentierten Worte der gebürtigen Schwedin. Kurz nach Mitternacht stirbt sie an den Folgen eines plötzlichen Schlaganfalls.
  • An ihrer Beerdigung am Alten Südfriedhof nehmen Tausende von Trauergästen teil. Das Domkapitel wird von Kardinal Faulhaber angeführt, Ministerpräsident Heinrich Held und das gesamte Kabinett sind anwesend ebenso wie die Spitzen der Stadtverwaltung und Mitglieder des ehemaligen Königlichen Hauses.
  • Kurz nach ihrem Tod schreibt Marie Amelie von Godin, die mit Ellen Ammann seit der Gründung des Katholischen Frauenbundes 1904 in München eng zusammengearbeitet hat, deren Biografie nieder. 1933 lassen die Nationalsozialisten die 60.000 bereits gedruckten Exemplare einstampfen. Man hatte nicht vergessen, dass Ellen Ammann 1923 an der Vereitelung des Hitlerputsches beteiligt war.

Zusammenstellung: Gerlinde Wosgien

KDFB initiiert Seligsprechung von Ellen Ammann (Pressemitteilung vom 30.06.2020)

Wichtige Stationen im Leben von Ellen Ammann