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Barbara Osterwald: Das Leben in die Hand nehmen

Vor zehn Jahren gründete die damals siebzigjährige Kunsttherapeutin Barbara Osterwald die Barbos-Stiftung. Seitdem haben 200 Kinder Unterstützung und Lebenshilfe bekommen.

Er sieht unscheinbar aus, kann für Kinder in diesem Moment aber die Welt bedeuten: Ein Holzkasten mit noch unberührter, kühler Tonerde gefüllt. Bereit, geformt zu werden nach den Bedürfnissen des Kindes, das davor sitzt. Arbeit am Tonfeld ist eine Richtung in der Kunsttherapie, die Barbara Osterwald in ihrer Berufstätigkeit als Therapeutin schätzen gelernt hat. „Durch die Berührung wird das Kind und seine Vitalität unmittelbar angesprochen. Es erlebt, dass es etwas kann. Die Methode stärkt immer die Kompetenzen.“ Die Münchnerin, die lange Sprachen an einem Gymnasium unterrichtete, machte sich nach einer weiteren Ausbildung als Kunsttherapeutin selbstständig. Eine eigene Praxis hat die 79-Jährige immer noch. 

Gründung einer Stiftung, um Lebenswerk weiterzuführen 

Die rührige Frau war siebzig, als sie beschloss, dass sie mit dem Geld, das sie sich im Laufe ihres Lebens aus ihrer Berufstätigkeit angespart hatte, eine Stiftung gründen wollte. „Ich sehe das als Möglichkeit, meine Lebenslinie und meine Werte weiterzuführen.“ Die Barbos-Stiftung geht direkt an Schulen und Kindergärten im Großraum München, von denen sie um Hilfe gebeten wird. Kinder, die in ihrem sozialen Verhalten auffällig werden und deren Eltern sich diese Art von Förderung nicht leisten können, bekommen die Möglichkeit zu 30 Stunden Kunsttherapie am Tonfeld. „Wir reißen die Kinder nicht aus ihrer Umgebung, sondern gehen direkt zu ihnen in die Einrichtungen.

Vor allem Mädchen profitieren von Kunsttherapie am Tonfeld

Mädchen profitierten besonders von der Möglichkeit, nach den eigenen Bedürfnissen zu gestalten. Sie haben durch ihre Erziehung oft viel weniger die Erlaubnis, ihre Vitalität und Aggressivität zu zeigen. Um ihr Leben zu gestalten, müssen sie aber die Möglichkeit haben, selbst einzugreifen“, ist ihre Erfahrung.

Kunsttherapie auch für Flüchtlingskinder

Seit 2015 hat die Barbos-Stiftung ihr Engagement ausgeweitet. Sie ermöglicht jetzt zusätzlich den Kindern in einer Münchner Flüchtlingsunterkunft, das, was, sie erlebt haben, durch Malen, Basteln, Formen und Gestalten auszudrücken. Zwei wertvolle Stunden, die allen Kindern der Einrichtung einmal in der Woche zugute kommen. Die Kunsttherapie hat ihr Zuhause in einem Bauwagen auf dem Gelände gefunden. Durch das Engagement einer einzelnen Frau werden so die Lebenswege von vielen Kindern positiv beeinflusst.

Text: Claudia Klement-Rückel

Barbara Osterwald; Foto: privat