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Fadumo Korn: Fremde Kultur erklären

 

Die Dolmetscherin Fadumo Korn aus Somalia zeigt unbegleiteten Flüchtlingsmädchen, wie das Leben in Deutschland funktioniert. 

„Wie rennt Ihr denn rum! Ihr habt euch nicht verhüllt und tragt sogar Jeans! Ihr seid schlechte Mädchen!“ So versuchte vor Kurzem ein selbsternannter muslimischer Religionswächter auf dem Münchner Stachus einige Mitglieder der Nala-Mädchengruppe zurechtzuweisen. Doch er hatte nicht damit gerechnet, wie viel die Mädchen, die als unbegleitete Flüchtlinge in Deutschland leben, in den Gruppenstunden bereits über ihre Rechte gelernt hatten. Er verschwand sehr schnell, als sie ihm sehr laut und deutlich erklärten: „Wenn du uns noch einmal so ansprichst, holen wir die Polizei.“ Die Somalierin Fadumo Korn freut sich über solche Erfolge. Sie zeigen ihr, dass ihr Einsatz als Kulturmittlerin Früchte trägt.

Gründerin des Vereins "Nala - Bildung statt Beschneidung"

In der Münchner Mädchengruppe des von ihr gegründeten Vereins „Nala – Bildung statt Beschneidung“ kommen zwei- bis dreimal im Monat minderjährige, unbegleitete Flüchtlingsmädchen aus Afrika, Asien und Arabien zusammen. 

Viele Fragen zur neuen Kultur

„Die Gruppe ist aus der Not geboren“, erläutert Korn, die die meisten Mädchen bei ihrer Arbeit als Dolmetscherin kennen lernte. Schnell wurde ihr klar, dass die Kinder zwar gut untergebracht sind, aber mit vielen Fragen alleine dastehen in der ihnen völlig fremden Kultur. Die 53-Jährige kam selbst mit 15 Jahren nach Deutschland und weiß, dass ganz viel erklärt werden muss. Das fängt damit an, wie und wo man günstig einkauft, wie man nach dem Weg fragt oder wie man sich schminkt. Und es reicht bis zu Themen wie Demokratie, Mädchen- und Frauenrechte oder der Rückoperation einer Genitalverstümmelung.

Einsatz gegen genitale Verstümmelung

„Fast in jeder Stunde sprechen wir auch über die genitale Verstümmelung“, so Korn. Die Mädchen aus Afrika sind alle beschnitten, und sie leiden an den Folgen. Was Beschneidung bedeutet, hat sie selbst erfahren und engagiert sich seit Jahrzehnten in Vereinen und mit Büchern für die Abschaffung des blutigen Brauches. KDFB Engagiert berichtete 2001 über ihr Schicksal.

Flüchtlingsmädchen sollen Sorgen vergessen

So wichtig manche Themen sind, mit den Gruppenstunden will Fadumo Korn die Mädchen auch von ihren Sorgen losreißen. Besonders gut gelang das einmal, als eine Schauspielerin den Mädchen zeigte, wie man jodelt, was sie unter viel Gelächter gleich ausprobierten.  

Text: Anne Granda

Bericht in der Abendzeitung zur Verleihung des Ellen-Ammann-Preises an Fadumo Korn

Bericht auf Bayern 2 Hörfunk zur Ellen-Ammann-Preisträgerin Fadumo Korn

 

Fadumo Korn; Foto: privat