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Kindeswohl wieder auf den Stundenplan setzen

Kindeswohl wieder auf den Stundenplan setzen
München, 23.07.2020

Mathe, Deutsch, Religion: vier Stunden lang ist der 8-jährige Timo schon still im Klassenzimmer gesessen. Jetzt wäre für ihn erstmal austoben in der Mittagsbetreuung wichtig, Fußball spielen oder aufs Klettergerüst. Doch das ist verboten. Selbst die Spielekiste wurde aus Hygienegründen abgeschafft. Unbeschwert Spielen ist sowieso schwer, wenn man ständig ermahnt wird, Abstand zu halten. Als Interessensvertretung für die Mittagsbetreuung, von Personal, Kindern und Eltern, fordert der Katholische Deutsche Frauenbund Landesverband Bayern (KDFB) eine Anpassung von Hygienevorschriften.

„Wir fordern für das kommende Schuljahr kindergerechte Hygienevorschriften in allen Mittagsbetreuungen“, so Emilia Müller, Vorsitzende des KDFB Bayern. „Mittagsbetreuung ist keine Schule, selbst wenn sie meistens auf dem Schulgelände angesiedelt ist. Benötigt wird eine klare Abgrenzung zum Unterricht und ein Konzept mit Phasen der Erholung und des Austausches. Das muss in jeder Schule berücksichtigt werden.“

Die Mittagsbetreuer*innen melden sich seit Wochen mit Sorge um das Kindeswohl beim KDFB – und das zurecht: in einer aktuellen Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf berichten mehr als 70 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen von Stress, Angst und Depression.

„Die Betreuer*innen haben im Moment das Gefühl, dass sie permanent Verbote aussprechen und Kinder von dem abhalten, was eigentlich ihren kindlichen Bedürfnissen entspricht. Inzwischen empfinden die Kinder ihre Freunde oft nicht mehr als Spielkameraden, sondern als Bedrohung.“, berichtet Gertrud Ströbele, Projektleiterin Schulung Mittagsbetreuung beim KDFB. Seit 20 Jahren bietet der KDFB in Bayern Schulungen für Mittagsbetreuungen an und ist seither auch Interessenvertretung für Kinder, Eltern und das Personal dieser Einrichtungen.

Für das neue Schuljahr ist wieder regulärer Schulalltag angekündigt, natürlich auch im Rahmen eines Hygienekonzepts. „Und das muss am Kindeswohl ausgerichtet werden. Unser Gesundheitssystem hat sich als leistungsfähig erwiesen. Schulalltag und Freizeitbetreuung der Kinder können und müssen endlich wieder kindgerecht gestaltet werden dürfen“, so die Landesvorsitzende Müller.

Redaktion: Ulrike Müller-Münch

Der Katholische Deutsche Frauenbund Landesverband Bayern ist mit 160.000 Mitgliedern der größte Frauenverband des Freistaats. Gegründet 1911 von Ellen Ammann, setzt er sich für Gleichberechtigung und Chancengleichheit von Frauen in Kirche, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft ein.
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